„Ich bin dann mal am Chillen!“


Auszeit - gsundlust by gertrud kellerKennst du die Tage, an denen nichts, aber auch gar nichts funktioniert?

Ja? Dann mach dir bitte k e i n e Sorgen, denn vielen Menschen geht das so! Diese Tage oder auch Stunden kannst du aber für dich nutzen, statt gegen sie zu kämpfen. Jeder Mensch hat seinen persönlichen, individuellen Rhythmus. Den so genannten Biorhytmus. Denn Menschen, die nur produktiv sind, sind nämlich selten kreativ.  

Die landläufige Meinung: ein unproduktiver Mensch sei unweigerlich dem Untergang geweiht. Nur produktiv sein und Leistung erbringen kann jedoch kein Mensch der Welt. Wie ich zu diesem Schluss komme? Ganz einfach. Es ist natürlich! Es gibt Grenzen! Die Produktivität oder Leistungsfähigkeit lässt sich nicht beliebig steigern. Darüber wirst du krank!

Nimm dir besser eine Auszeit! 

Wenn du merkst, dass du nicht mehr produktiv bist – nimm dir eine Auszeit.

Chillen setze ich der Auszeit gleich. Wenn du sagst, du nimmst dir eine Auszeit, werden gewisse Menschen zwar schnell nervös. Lasse sie nervös sein. Lass dich nicht davon ablenken. Hörst du auf dich und nimmst dir bewusst deine Auszeiten, wirst du langfristig gesund bleiben und gewinnen.

In einer kurzen oder längeren Auszeit kannst du körperliche und geistige Ressourcen regenerieren und neue Inspirationen fürs Leben finden. Ein paar Tage auf Distanz gehen – zur Arbeit, zu Terminen, Pflichten, Gewohnheiten: ja, bewusst gelebte Auszeit fördert die Kreativität, stärkt die Motivation und die eigene Gesundheit. Das braucht keine speziellen Untersuchungen – das kannst du spüren und selber erfahren. Doch viele Menschen träumen (noch) davon!

Eine Auszeit bietet im Normalfall die Möglichkeit, in relativ kurzer Zeit Körper, Geist UND Seele zu erholen und wieder mehr die „eigene Mitte“ zu finden. Diese Auszeit kannst du und sollst du nach deinen persönlichen Bedürfnissen gestalten: dabei berücksichtigst du deine eigene Motivation, Ernährungsweise und der persönlichen Rhythmus für Bewegung mit.

Auszeit – weit weg sein. Dieses Bild verbinden viele Menschen mit dem Begriff. Einen Ort der Auszeit kannst du dir aber auch kurzfristig und ganz nah organisieren, wie zum Beispiel am Stadtrand; auf einer Reise im Zug; an einem Ort, der ideal erreichbar ist und trotzdem wie ein Ort angenehmer Abgeschiedenheit wirkt; auf einem täglichen Spaziergang in der Natur; ein bestimmter Ort irgendwo, im Wald oder am Fluss; im Garten zuhause…

Auf jeden Fall soll es ein Ort sein, der Raum schafft, damit Körper, Geist und Seele sich neu ordnen können.

Ich wünsche dir Orte der Stille,
frei vom Lärm der Welt,
dass deine Seele Ruhe findet
und du erkennst, was dir gut tut,
dass du in dich hineinhörst,
auf die Stimme deines Herzens,
auf die Sehnsucht deiner Träume.
(Udo Han)

Was ist deine Auszeit?

Die nächsten drei Themen zeigen dir Beispiele, Erfahrungen und Einsichten für gelebte Auszeiten, die das Verständnis für deine Auszeit schärfen können. Oder, wie du Auszeit planen und organisieren kannst. Auszeit ist persönlich und individuell.

  1. Nutze das Sein mit dir alleine: Du kannst wieder lernen allein zu sein.
  2. Nutze den natürlichen Zyklus einer Jahreszeit: Sommer-Highlights.
  3. Nutze den Alltag: mache Pausen und feiere deine Erfolge.

1.   Allein-Sein – kannst du das lernen?

Allein-Sein - gsundlust by gertrud kellerKannst du mit dir alleine sein? Nein? Dieser Artikel zeigt dir auf, wie du dir selbst wieder näher kommst und was das dir für Vorteile bringt.

Im Allein-Sein kannst du entdecken, dass du dein bester Freund bist. Es ist ein grosses Thema, das ALLE Menschen angeht: die „Einzigartigkeit (oder Herausforderung) des Allein-Seins“.

Ich selbst bin sehr gerne und bewusst mit mir alleine. Es ist mir jetzt wichtig, das Wort „Allein-sein“ richtig zu verstehen. Ich meine nicht einsam sein, inmitten vieler Menschen einsam und alleine sein. Einsamkeit redet von Zurückgezogenheit, von „Vereinsamung“, Isoliertheit, Verlassenheit und von sich von anderen (Menschen und Dingen) abkapseln.

Wenn ich Allein-Sein sage, meine ich auch nicht von DIE Art alleine sein in einem leeren Haus – für einen Abend – so dass ich mir jederzeit etwas zu trinken oder etwas zu essen holen und mich in der Couch gemütlich hinsetzen kann, um meinen Lieblingsfilm anzusehen. Daran ist nichts falsch – an dieser Art Allein-Sein, was du wahrscheinlich auch sehr gerne machst.

Ich meine die Art von alleine sein, bei der du alles loslässt, das dich ablenkt (im speziellen elektronische Geräte) und wo du wahrlich präsent bist mit dir selbst.

In diesem Allein-Sein wählst du präsent zu sein für DEINE eigenen Gedanken und Gefühle, ob sie nun gut oder weniger gut sind. Du greifst nicht nach deinem Smartphone, um dich abzulenken, wenn „Gremlins“ oder „Dämonen“ in deinem Kopf dich an alle deine Makel und Fehler erinnern oder was du noch alles erledigen solltest. Du schaltest nicht dein TV an, wenn die Angst aus deinem Bauch hochkommt. Du greifst auch nicht nach einem Drink oder rufst einen Freund an oder lenkst dich selbst mit Haushaltarbeiten ab, wenn du anfängst, auch nur die Spitze des Allein-Seins zu verspüren.

Allein-Sein kann Angst machen, speziell wenn du das bisher nicht gewohnt bist. Es ist auch wirklich eine grosse Versuchung, alle die Emotionen und Gedanken, die sich in diesen Momenten der Ruhe zeigen, einfach zu verdrängen, „abzuwürgen“, neben oder hinter sich zu stellen, fortzuschicken; all das, was man in solchen Situationen so zu tun pflegt und als Strategie benutzt, um nicht nachdenken zu müssen. Genau das verursacht nach meiner Erfahrung die eingangs beschriebene Einsamkeit. Dann, wenn wir uns von unseren Gefühlen und Emotionen trennen.

Wenn du das tust, dann wirst du die Einzigartigkeit des Allein-Seins verpassen. Du verpasst die Möglichkeit, dem Flüstern des eigenen Herzens zuzuhören. Du verpasst die Chance, dich in die eigene Gesellschaft zu verlieben. Und du verpasst die Einzigartikeit, zuzusehen, wie Ablenkungen ihren eigenen Weg gehen!

Ich lernte die Einsamkeit sehr früh in meiner Kindheit kennen, als ich emotional völlig überfordert war mit den Dingen, die in meinem Leben passierten. Und niemand da war, mit dem ich reden konnte oder der mir etwas erklärte. Darum kenne ich den Unterschied zum Allein-Sein.

Dann jedoch lernte ich das kreative Allein-Sein kennen, als ich mich bewusst selbst dafür entschied.

Vor Jahren nahm ich mir spontan eine Auszeit, ich zog mich bewusst von allen Menschen zurück. Ich arbeitete zwar, was mir meinen Lebensunterhalt sicherte. Aber privat entschied ich mich dazu, bewusst nur mit mir selbst zu sein. Ich habe damals nicht gewusst, was ich damit in meinem Leben in Bewegung setzte. Ich entschied mich dafür und setzte es um. Es war einer der besten Entscheide meines Lebens.

Ich hörte auf, all den Aktivitäten, den Ablenkungen und vermeintlichen Verlockungen nachzurennen. Ich hörte auf, mich von all den äusseren Einflüssen und Medien einnebeln zu lassen. Ich verstand auf einmal, dass das Allein-Sein grundsätzlich vermieden wird wegen des Glaubenssatzes, dass du dann auf der Verliererseite landest!

Ha! Einmal mehr lache ich!

Ich fing gerade an zu gewinnen!  

Schon bald entdeckte ich die Vorteile des Allein-Seins. Als Erstes fand ich heraus, dass ich niemals allein bin! Ich bin immer in Gesellschaft von mir selbst und einem grösseren Ganzen. Und das ist ganz schön viel! Ich fing an, mich selbst erst zu mögen und mich all den Äusserlichkeiten vorzuziehen. Dann begann ich, mich selbst zu lieben.

In jungen Jahren ging ich oft alleine essen, ins Kino und was sonst noch. Ich fühlte mich verlassen, unglücklich und traurig. Ich war wütend und frustriert, dass ich stets alleine war. Wie eingangs erwähnt, ist diese Art Einsamkeit in der Regel auch nicht grundlos. Es ist ein Gefühl des Getrennt-Seins….

Jetzt aber, begann ich das Allein-Sein zu geniessen. Ich fand jetzt mehr und mehr Lokale, Restaurants und Bars, die meinem Geschmack entsprachen. Ich bestellte mir etwas Gutes zu essen oder ein Glas Wein. Ich genoss diese Zeiten mit mir alleine. Es interessierte mich nicht, wenn Leute mich anstarrten, mit offensichtlich mitleidigen Blicken Notiz von mir nahmen, oder auch bewusst wegsahen. Ich hatte damals kein TV und ging ins Kino und sah mir alle Filme an, die mich gerade interessierten. Ich fuhr alleine in die Ferien, an Orte, die meinen Interessen entsprachen. Ich wanderte in den Bergen und in langen Spaziergängen in der Nacht lernte ich eine unglaubliche, einzigartige Stille kennen.

Es waren alles Dinge, die ich früher weder gesehen noch bemerkt hatte. Ich suchte mehr und mehr dieses Allein-Sein und entdeckte Dinge, von denen ich bisher nichts gewusst hatte. Ich realisierte, dass ich eine viel bessere Mitarbeiterin, eine bessere Vorgesetzte, eine bessere Unternehmerin und eine bessere Partnerin wurde. Ich wurde viel kreativer und konnte besser schreiben, wenn ich regelmässig Auszeiten zum Allein-Sein nahm. So gerne ich heute mit meinem Partner zusammen bin, oder mit Freunden, Familie usw., regelmässiges Allein-Sein ist heute nicht mehr nur eine Option, sondern für mich absolut essentiell.

Du lernst durch das Allein-Sein so viele Vorteile kennen, die ich dir heute ans Herz legen möchte und die du nutzen kannst, selbst vertrauensvoll eine Auszeit mit dir zu organisieren:

  • Wenn du lernst, dir selbst Gesellschaft zu leisten und dich daran zu erfreuen, fühlt sich Einsamkeit nicht mehr bedrohlich an.
  • Du erhältst mehr Raum, dich durch die eigenen Emotionen durchzuarbeiten, so dass du sie nicht mehr auf andere Menschen übertragen musst, wie das so oft geschieht.
  • Du hast nicht mehr das Gefühl, alles tun zu müssen, was andere rundum tun. Beziehungen, die dir nicht gut tun, verlieren sich. Du realisierst, dass es besser ist, mit dir selbst zu sein, als mit jemandem, der nicht gesund für dich ist.
  • Du hast mehr Möglichkeiten, etwas Neues zu versuchen, oder offen zu sein für ein Abenteuer, weil du nicht auf jemanden warten musst, der dich begleitet.
  • Der Raum in deinem Leben und in deinem Verstand lässt es jetzt zu, dass sich neue kreativere Ideen zeigen. Deine Muse wird entzückt sein über einen durchlässigeren Verstand.
  • Du wirst mehr und mehr die Schönheiten um dich herum bemerken. Du kannst Pausen einlegen, um in Ehrfurcht und Betrachtung zu verweilen. Es ist niemand sonst da, der Erwartungen an dich stellt oder dich in eine bestimmte Richtung treiben will.
  • Du hast mehr Selbstvertrauen, Konferenzen, Seminaren, Vorträge oder Partys zu besuchen, weil du keine so grosse Angst mehr hast vor dem, was andere Leute über dich denken, wenn du allein in einer Ecke sitzt. (Ironischerweise kann dies sehr attraktiv sein und du wirst interessante Leute anziehen).
  • Du übst praktisch, grössere Risiken zu nehmen, weil du entdeckst, dass die einzige Person, die du brauchst und dich erfreut, du selbst bist.
  • Du wirst besser und besser darin, das zu hören, was dein eigenes Herz dir zuflüstert und du beginnst ein authentischeres und erfüllteres Leben zu leben.
  • Du wirst mit grösserer Selbstbestimmung dein eigenes Leben führen und nicht mehr von den Launen anderer Menschen abhängig sein, wirst nicht mehr beeinflusst werden durch was auch immer andere Menschen denken, dass es richtig sei.

Wenn du Angst hast vor dem Allein-Sein, dann tendierst du dazu, dein Leben mit Ablenkungen oder Kompensationshandlungen und Lärm auszufüllen. Echt wahr!

Probiere eine Auszeit mit dir mal aus. Fang klein an, mit dem ersten Schritt: Geh spazieren und lass dein Smartphone zuhause. Besuche das Café nebenan oder um die Ecke und sitze eine Viertelstunde mit einem Kaffee einfach da. Schalte dein TV aus und lies ein Buch stattdessen…

Sei präsent für dich selbst und höre darauf, was dein Herz dir zuflüstern will!

„Allein-Sein bedeutet nicht unbedingt, von anderen getrennt zu leben; Vielmehr bedeutet es, niemals getrennt von sich selbst zu leben. Es geht nicht um die Abwesenheit anderer – es geht darum, dass wir selbst vollkommen präsent für uns sind, egal ob wir mit anderen zusammen sind oder nicht. Parker Palmer

In meinem Artikel „Nichts-Tun lernen – aber richtig“ schreibe ich noch mehr darüber…

2.   Sommer-Highlights

Sommer - gsundlust by gertrud kellerGerade beginnen die Sommerferien und alles wird etwas langsamer und gemächlicher. Hitze macht uns natürlicherweise langsamer! Wenn du den Sommer nutzen willst für Auszeiten, hast du viele Möglichkeiten: eine Abkühlung im Wasser, öfters ein Eis essen, die Zeit nehmen, endlich ein bestimmtes Buch zu lesen oder dich spontan zu einen Ausflug in die Berge entschliessen.

Du verbringst die Abende bei einem Spaziergang im Wald und geniesst einfach die Sonnenuntergänge auf dem Balkon. Das lässt einen in den Ferien wähnen. Normalerweise suchst du dann ja den Süden, die Wärme, den Wind, das ungezwungene Sein und trägst endlich deine Sommerkleider. Und genau das kannst du auch zuhause haben. Ferien zuhause, während du arbeitest und du vielleicht einige Menschen sagen hörst: „Schön, dass du da bist“. So macht das Leben und der Sommer definitiv Spass.

Sommerzeit ist auf der anderen Seite auch die Zeit von Openairs, Dorffesten und Festivals. Wähle gut, und tu das, was für dich stimmig ist. Ich will dieses Jahr einige Tage im Elsass verbringen und chillen, wo ich seit Jahren nicht mehr war und ich freute mich sehr darauf. Inzwischen habe ich aber vergessen, wie viele Dorffeste hier fast ‚nonstop‘ gefeiert werden – für Besucher. Ein Konzert auf dem Marktplatz geniesse ich noch sehr: diese drei Musikanten spielen an diesem lauen Abend, die Menschen tanzen spontan dazu, lachen und freuen sich. Klein und fein.
Gleichzeitig wird eine Bühne für grosse Konzerte aufgestellt, die sind dann überlaut und dauern bis Mitternacht. Johlende Menschen feiern bis in die Morgenstunden. In der letzten Nacht ist Bühnenabbau, Lärm bis früh in den Morgen. An Schlaf ist kaum zu denken. In Strassburg findet die „Grande Braderie“ statt. Ausgerechnet. So werde ich überwältigt von dem vielen Aktivismus und den grossen Menschenmengen. Ich finde die Dörfer laut, überstellt mit Autos, es ist beengend, ohne Raum und Möglichkeiten, sich in Ruhe irgendwohin zu setzen, ausser in den vielen Restaurants. Man könnte meinen, dies sei extra so gemacht, damit die Besucher dazu animiert werden, ihr Geld auch wirklich auszugeben. Aber ich kam nicht her, um ständig zu konsumieren. Das hat für mich nichts mit Sommer und schon gar nichts mit „Chillen“ zu tun!

Normalerweise, wenn ich in weggehe für eine Auszeit, tue ich mein Bestes, um abzuschalten und wieder in Balance zu kommen, um so wieder zu integrieren, was wichtig ist für mich. Und jetzt, nach diesen paar Tagen im Lärm, den grossen Menschenmengen, der Feste, brauche ich wirklich dringend Ruhe. Normalerweise verweile ich nicht lange an solchen Orten. Auf jeden Fall nicht so lange wie diesmal. Ich muss weg von den vollen, beengenden Tagen, raus aus der Menschenmenge und vor allem von Menschen, die nur ihre Smartphones sehen, darin herumtippen und rundum nicht viel sehen. Ich packe meine Sachen und fahre zurück nach Hause.

Ein paar Tage Allein-Sein, Lesen, Ruhe und bewusstes Essen, und ich komme wieder im Alltag an. Seither sind die Tage wieder, wie sie sein sollen.

Da ist einmal mehr eine grosse Lebenslektion, die mir bewusst wird: wir sollen die Balance oder die Mitte finden zwischen den lärmigen, schnellen und den ganz ruhigen, stillen Tagen. Die Mitte suchen zwischen dem, was wir wollen und dem, was wir andern geben wollen. Die Mitte suchen zwischen den Beziehungen zu anderen Menschen und der Beziehung zu uns selbst. Und das kannst du nur, wenn du dir deine Auszeiten gönnst.

Der Sommer und die Ferien werden vorbei gehen und ich bin sehr dankbar, heute die Arbeit zu haben, die mir gefällt und die ich liebe. Ich muss nicht mehr länger dieses schreckliche Gefühl nach den Ferien haben, zurück an eine Arbeit zu gehen, die mich auspumpt. Ich habe hart dafür gearbeitet, den Ausgleich zu finden in meinem Leben, gerade so wie ich ihn diesen Sommer gefunden habe.

Wenn du selbst (noch) nicht an diesem Ort bist, kannst du dich dahin aufmachen. Bitte beachte: es braucht seine Zeit und deine Sehnsucht, dahin zu kommen. Bei mir brauchte es eine grosse Krise. Ich hoffe, dass es auch dir gelingt, auf welchem Weg auch immer, deine Balance oder deine Mitte zu finden in deinem Leben.

3.   Feiere gemeinsam mit anderen deine Erfolge

Feiern - gsundlust by gertrud kellerAuszeiten der etwas anderen Art. Überlege dir einmal, was du in den letzten Jahren alles erreicht hast.

Ein dreifaches Hurra…!

Erzähle das einigen Bekannten. Beeindruckt es sie? Wie reagieren sie? Wie reagierst du? Was willst du jetzt?

In den letzten Jahren gab es öfters kleinere und grössere Erfolge in meinem Leben und ich – wollte die stets mit Jemandem feiern.

Pause machen und Feiern!

Wieso Pausen zum Feiern? Brauchte ich denn von jemandem Bestätigung, damit ICH mich besser fühle…! Es mag als Unsicherheit erscheinen. Ich schaue das jedoch anders an. Ehrlich gesagt fühle ich mich bereits grossartig, wenn ich etwas geschafft habe, BEVOR ich es jemandem mitteile. Ich brauche also keine Bestätigung.

Ich brauche eine Auszeit, eine Pause und – das Feiern! Weil es sich in Gesellschaft besser feiert!

Feiern oder Bestätigung holen sind für mich zwei verschiedene Dinge! Feiern stärkt und ermutigt MICH, eine Bestätigung holen stärkt und ermutigt Abhängigkeit. Feiern meint, ich bin nicht alleine. Bestätigung holen hinterlässt das Gefühl, dass ich nichts alleine bewerkstelligen kann. Wenn ich Bestätigung brauche, setzt dies voraus, dass ich nicht weiss, wie ich meinen eigenen Wert ohne mein persönliches Umfeld finde. Wenn ich stattdessen feiere, meint dies, dass ich bezeugt werden will durch die Menschen in meinem persönlichen Umfeld. Ich ehre ihre Rolle, weil sie mir helfen, stark und mutig zu sein.

Dann gibt es diese feine Grenze zwischen der Bitte nach Aufmerksamkeit bzw. Bestätigung und Angeberei. Ich weiss auch nicht jedes Mal, wo diese Grenze ist. Sie wird aufgrund der eigenen internalisierten Geschichten individuell interpretiert und ist stets woanders. Wenn mir nach Feiern zumute ist, kann es für andere also sein, dass ich Bestätigung brauche oder angebe!

Dazu ein Beispiel: Kürzlich kamen in einer Gruppe die Parkplatzgebühren eines bestimmten Bahnhofs zur Sprache. Eine Person sagte, dass die aktuell sechs Franken pro Stunde unglaublich billig seien. Ich erinnerte mich daran, dass dieser Betrag für mich einige Jahre zuvor astronomisch hoch schien, weil ich kein Geld hatte. Ausserdem hob die Bahn zu dem Zeitpunkt ihre Gebühren praktisch über Nacht von drei auf sechs Franken pro Stunde an. Das war der Zeitpunkt für mich, einen anderen Weg als die öV zu suchen, um dahin zu kommen, wo ich hinwollte. Ich teilte diese Information und hörte mir von dieser Person an, ich müsste dann zu Fuss gehen oder Velo fahren…

Was war das gerade? Habe ich angegeben? Sollte ich etwas erwidern oder ruhig bleiben? Ich fühlte mich verletzt und hinterfragte mich erst selber. Diese Person weiss nicht, wie es sich anfühlt, ohne Geld zu sein oder im Leben bei null neu anzufangen. Sie hat nicht verstanden! Ich entschied, ruhig zu bleiben – ich liess die Aussage dort, wo sie herkam. ICH erlaubte mir selber ein grosses „Wow“ und klopfte mir innerlich voller Stolz auf die Schultern dafür, dass ich mich gerade heute mit einigen Menschen zum Mittagessen traf und mir dies heute leisten kann!
Ich drehte mich um – und feierte mit denjenigen, die mit mir feiern wollten. Es ist mein persönliches Umfeld und ich brauche es in Zeiten des Feierns wie in Zeiten, in denen ich Mühe habe.

Manchmal sind wir auch durcheinander. Wir haben grosse Angst davor, anzugeben, zu viel zu sein für andere oder für grössenwahnsinnig gehalten zu werden. Wir behalten unsere kleinen Erfolge für uns statt unsere Liebsten zum Feiern einzuladen. Diese Angst breiten wir auf andere Menschen aus – wir schämen uns anzugeben und die anderen Menschen bleiben dann selber auch klein und ungesehen.

Wir leben in einer Zeit der Selbstgenügsamkeit und Unabhängigkeit. Wir sind dazu erzogen worden, uns für uns selbst zu wehren und zu agieren. Gerade so, als würden wir keine Unterstützung brauchen. Wir sollen nicht nach zu viel Unterstützung fragen. Wir sollen fähig sein, ohne Unterstützung grosse Dinge zu erfüllen. Wir sollen selbstbewusst genug sein, unsere Träume zu leben ohne jemanden, der uns zujubelt oder anfeuert.

Ich habe dies in meinem Leben selbst zur Genüge erfahren mit dem Resultat, dass ich total erschöpft in einer tiefen Krise endete. Und – ich höre dies heute aus den Mündern anderer Menschen. Es ist nicht ungewöhnlich, sie verlegen über ihre Erfolge und Träume reden zu hören. Diese Menschen reden darüber, wie sie mehr Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und Selbstgenügsamkeit haben sollten und den Mut, bestimmte Dinge zu bewerkstelligen ohne Unterstützung von anderen Menschen.

Dahinter steckt fast immer die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, nach Verbindung in einer Gemeinschaft, die Unterstützung und Ermutigung gibt. Die Selbsthilfe- und Coaching-Welt trägt zu diesen individuellen Haltungen bei. Sie redet darüber „in die eigene Kraft zu kommen“. Sie redet darüber „dass wir unser eigenes Schicksal kreieren“ und „uns von der Meinung anderer distanzieren sollen“.

DAS ist äusserst wichtig und richtig – aber keineswegs ALLES!

Wir reden kaum darüber „in der Kraft sein, die uns durch Gemeinschaft stärkt“. Und wir reden kaum darüber, wie unsere Identität mit denjenigen Menschen verflochten ist, mit denen wir in Beziehung stehen. Selbstgenügsamkeit ist für mich inzwischen ein abgenütztes Wort. Wir Menschen sind nicht wirklich dazu gemacht, alles alleine zu erledigen.

Wir sind Herdentiere!

„Beziehung ist das fundamentale organisierende Prinzip menschlicher Existenz.“ (Larry Heller)

Die spontane innere Bewegung in uns allen zielt immer auf Verbindung, auf Gesundheit und Lebendigkeit. Gerade so wie sich jede Pflanze spontan der Sonne zuwendet. Wir sind dazu gemacht, in der Gemeinschaft zu leben und andere zu bitten, die Zeit zu nehmen mit uns zu feiern oder zu trauern. Weil wir zusammen stärker und mutiger sind. Wir sind viel mehr zu persönlichem Wachstum und Heilung fähig, wenn wir in gesunden Beziehungen leben.

Wir BRAUCHEN das Einander-Brauchen. Wir brauchen das gemeinsame Feiern. Wir brauchen es, einander von unseren Erfolgen zu erzählen. Wir brauchen es, einander zu ermutigen. Wir brauchen es, uns aneinanders Stärke anzulehnen.

Versteh mich bitte richtig! Ich habe selber grosse Achtung vor Menschen, die den Mut haben, unpopuläre Dinge in Angriff zu nehmen und vor allem in Zeiten daran glauben, wenn kein Mensch an ihrer Seite steht, der sie anfeuert. UND ich glaube, wir werten uns oft selber ab, wenn wir Angst davor haben, einen Schritt zu gehen, wenn er von Anderen nicht bestätigt wird.
Ich glaube, wenn wir mutige und schwierige Dinge oder auch kleine Dinge realisieren, die uns ein gutes Gefühl geben, brauchen wir es, unsere Erfolge zu teilen. Wir erlauben anderen damit ebenfalls, klare Schritte zu gehen und selber gross zu werden.

Also. Lass es das nächste Mal jemanden wissen, wenn du etwas leistest, von dem du überzeugt warst, es nicht zu schaffen. Teile deine Erfolge, auch deine kleineren. Lasse deine Identität oder deinen Wert nicht davon abhängig sein, ob du der „Liebling“ von Jemandem bist oder nicht (diese Jemands haben ebenfalls ihre eigenen Geschichten). Freue dich einfach darüber, wenn dieser Jemand zu deiner Feier erscheint und dich unterstützt. Und wenn du andere feiern siehst, schäme dich nicht, mit deinen Geschichten anzugeben – feiere mit ihnen.

Herzlich,
Gertrud Keller

P.S. Willst du mehr über meine Arbeit erfahren?

Werd gesund.Bleib gesund.

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